Couchsurfing meint heutzutage Plattformen oder Netzwerke, auf denen ihr eine kostenfreie Übernachtungsmöglichkeit für seine Ferien finden kann. Wie Couchsurfing entstand, was Couchsurfing ist und wie es funktioniert, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Was ist Couchsurfing?

Der Begriff Couchsurfing kommt aus dem Amerikanischen. Es ist umgangssprachlich und meint das Übernachten bei einem Freund (to surf someones couch). Auf verschiedenen Plattformen werden Couchsurfing Angebote erstellt und gefunden. Vermittelt werden ausschließlich private Wohnungen oder Wohnräume, in denen Couchsurfer kostenlos übernachten können. Die Übernachtungsmöglichkeiten sind unterschiedlich: Von einer Couch oder einer Matratze auf dem Wohnzimmerboden bis zu einem eigenen, perfekt ausgestatteten Zimmer.

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Wie Couchsurfing entstand und was es heute ist

Weltweit bekannt wurde das Couchsurfing im Jahr 2004, als das Netzwerk couchsurfing.com entstand. Die Gründer Casey Fenton, Daniel Hoffer, Sebastian Le Tuan und Leonardo Bassani da Silveira waren auf der Suche nach einer Unterkunft in Island. Dabei erkannten sie, dass viele Fremde auf Nachfragen in sozialen Netzwerken bereit waren ihren privaten Wohnraum für Reisende freizugeben – kostenlos. Aus dieser Erkenntnis heraus entwickelten sie eine Plattform, auf der Menschen weltweit miteinander in Kontakt treten. Damit lagen sie absolut richtig. Diese Idee des sozialen Austauschs, des Teilens von Wohnräumen, Geschichten und Erlebnissen fand großen Zuspruch und das Netzwerk wuchs rasant. Heute zählt couchsurfing.com zwölf Millionen Mitglieder weltweit. Im Mai 2016 sind es über 200.000 Städte, in denen Wohnungen zur Verfügung stehen und über 550.000 Events. Wenn ein Konzept gut funktioniert, dauert es nicht lange, bis weitere Plattformen entstehen. Im Jahr 2007 startet das Netzwerk BeWelcome, welches im April 2016 mehr als 90.000 Mitglieder zählt. Es folgten weitere Netzwerke und Communities. Die meisten sind kostenfrei, andere sind kostenpflichtig, wobei der Beitrag gering ist. Die Plattform Intervac homeexchange ermöglicht den Austausch von ganzen Wohnungen. Für Frauen gibt es women welcome women world wide, wo ausschließlich Frauen ihre Wohnräume für andere Frauen zur Verfügung stellen.

Wie funktioniert Couchsurfing?

Die Basis bei Couchsurfing ist Vertrauen. Ein Grundvertrauen muss sowohl beim Couchsurfer als auch beim Gastgeber (Host) vorhanden sein. Als die Idee für das Couchsurfing entstand, waren die Mitglieder der Community gleichgesinnt. Sie suchten den Austausch, waren neugierig auf fremde Kulturen und wollten sie gerne aus erster Hand von Einheimischen erfahren und nicht über Touristenzentralen. Das machte es allen leicht, weil es übersichtlich und vertrauenswürdig war. Je größer das Netzwerk wurde, desto mehr Organisation bedurfte es und desto förmlicher wurde es. Heute meldet ihr euch bei der Plattform eurer Wahl an und müsst dort persönliche Informationen von sich Preis geben. Dabei gilt es von sich zu überzeugen, um Vertrauen aufzubauen. In einigen Netzwerken müsst ihr einen Fragebogen über eure Person ausfüllen. In anderen Netzwerken müsst ihr ein Profil erstellen, Fotos von euch hochladen und erklären, was Couchsurfing für euch bedeutet. Hier macht ihr die Angabe, welche Gäste ihr bevorzugt. So kann sich der Suchende gezielt nach Wohnräumen umsehen, in denen er sich willkommen fühlt. Alle Mitglieder einer Community können die anderen Mitglieder bewerten und unter ihren Profilen Kommentare hinterlassen. Bei couchsurfing.com ist es Mitgliedern möglich miteinander zu chatten, um sich vor dem Verabreden besser kennenzulernen. Zudem gibt es einen Community Support, bei dem ihr eventuelle Probleme, die auftraten, mitteilen könnt. So kann das couchsurfing-Team vor diesen Usern warnen, diese verwarnen oder gegebenenfalls sperren. Seid ihr Couchsurfer gewesen, ist es üblich, dass ihr anschließend zum Gastgeber werdet. So wächst die Community und damit das Netzwerk.

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Vorteile des Couchsurfing

Der größte Vorteil am Couchsurfing ist das kostenlose Wohnen an einem fernen Ort. Das macht die Ferien wesentlich günstiger, da ihr ausschließlich den Weg und nicht die Bleibe bezahlen müsst. Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist, dass ihr euch in einem fremden Land wie zu Hause fühlt. Hierbei könnt ihr die fremde Kultur hautnah im Haus von Einheimischen erleben. Diese geben Insidertipps und eröffnen einem viele tolle Einblicke. Des Weiteren knüpft ihr neue Kontakte in aller Welt und baut euren Freundeskreis und euer Netzwerk auf. Auch innerhalb eines Landes nehmen Menschen gerne die Möglichkeit an, kostenlos zu übernachten. Couchsurfing ist ideal für Menschen, die auf Wohnungssuche in einer anderen Stadt sind. Für das Besichtigen können sie auf diese Weise über mehrere Tage in dieser Stadt bleiben.

Nachteile des Couchsurfing

Ein Nachteil ist, dass ihr nicht die Privatsphäre habt, die ein Hotelzimmer bietet. Hier seid ihr Gast in einem fremden Haushalt und müsst euch den Hausregeln anpassen. Vielen macht das nichts aus, sie freuen sich darüber neue Sitten und Bräuche zu lernen; andere stoßen hier an ihre Grenzen. Daher solltet ihr auf jeden Fall abwägen, ob Couchsurfing das Richtige für euch ist. Ein weiterer Nachteil ist, dass ihr flexibel sein müsst und euch teilweise den Zeiten des Gastgebers anpassen müsst. Teilweise vergeben diese keinen Ersatzschlüssel an den Gast, sondern möchten mit ihm gemeinsam das Haus verlassen. Diese Regel müsst ihr als Gast akzeptieren, da Couchsurfer für ihren Aufenthalt nichts bezahlen. Nachteilig ist der Fakt, dass es für einen geplanten Aufenthalt keine Garantie geben kann. So kann der Gastgeber kurzfristig absagen und als Gast könnt ihr nichts dagegen tun. Diese Nachteile müsst ihr bei der kostenfreien Alternative zu Hostels und Hotels hinnehmen.

Couchsurfing – was ihr beachten solltet

Damit alles reibungslos funktionieren kann, solltet ihr euch als Couchsurfer an Regeln halten. Als Couchsurfer seid ihr Gast in einem privaten Wohnraum, wo die Hausregeln des Eigentümers gelten, an die ihr euch halten solltet. Wenn ihr mit diesen Regeln nicht übereinkommt, solltet ihr erwägen, nicht in dieser Unterkunft zu bleiben. Als Couchsurfer solltet ihr nicht rechthaberisch sein und Streit aus dem Weg gehen. Reist ihr in ein Land mit einer anderen Kultur, solltet ihr euch vor der Anreise über die Kultur informieren, um eventuellen Überraschungen zu entgehen. Ihr solltet freundlich und offen für Neues sein. Über ein Mitbringsel aus der eigenen Heimat als kleines Dankeschön freuen sich viele Gastgeber. Dankbarkeit könnt ihr über verschiedene Wege zeigen. Manche Couchsurfer laden den Gastgeber zum Essen ein oder kochen ihm ein typisches Nationalgericht aus der eigenen Heimat. Andere putzen vor ihrer Abreise als Dankeschön die Wohnung. Wichtig für ein schönes und reibungsloses Couchsurfing ist Verständnis für sein Gegenüber und seine Ansichten zu zeigen und offen für Neues zu sein.

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Gefahren und Vorsichtsmaßnahmen beim Couchsurfing

Trotz einer Vertrauensbasis könnt ihr euch wie bei jeder Situation im Leben nicht sicher sein, ob alles glimpflich abläuft, wie ihr es euch wünscht. Leider zeigen einzelne Vorfälle, dass sich in diesen Netzwerken Mitglieder mit zwielichtigen Absichten einschleichen. Falsche Deutungen und entsprechendes Bedrängen, Diebstähle, Sexangebote oder Vergewaltigungen sind vorgekommen. Communities und Netzwerke sind bemüht, alles zu kontrollieren und ausschließlich Gastgeber zuzulassen, die das Prinzip verstehen und es nicht für andere Zwecke missbrauchen. Trotzdem gibt es Mitglieder, die eine falsche Persönlichkeit vortäuschen. Da die Millionen Mitglieder nicht vor Ort überprüft werden, sondern den Angaben in ihren Profilen vertraut wird, solltet ihr achtsam sein und Vorsichtsmaßnahmen treffen:

    • Überprüft das Profil des Gastgebers. Schaut euch seine Fotos und die Fotos seiner Unterkunft an.
    • Lest die Motivation des Gastgebers durch und erfahrt, wieso er seine Wohnung für Couchsurfer zur Verfügung stellt.
    • Lest die Kommentare und Bewertungen des Profils durch, um zu erfahren, wie zufrieden andere Couchsurfer mit der Unterkunft und dem Gastgeber sind.
    • Sucht den Gastgeber in anderen sozialen Netzwerken auf und überprüft diese Profile.
    • Wenn euch das Profil des Gastgebers auf Anhieb unsympathisch ist, solltet ihr es vermeiden bei ihm zu wohnen.
    • Wenn der Gastgeber in seinem Profil angibt, dass er ausschließlich Frauen als Gäste aufnimmt, solltet ihr herausfinden aus welchen Hintergründen er das macht. Ein Grund kann sein, dass der Gastgeber eine Frau ist und keine Männer im Haus wünscht. Ein anderer kann sein, dass ein männlicher Gastgeber ausschließlich Frauen bevorzugt. Hier ist Vorsicht geboten.
    • Sollte der Gastgeber beim Chat Dinge andeuten, die euch nicht gefallen, solltet ihr davon absehen, bei ihm zu wohnen.
    • Generell gilt: Habt ihr ein mulmiges Gefühl, solltet ihr in diesem Haus nicht übernachten!
    • Zu zweit reisen ist sicherer als alleine. Aus diesem Grund macht Couchsurfing mit einem Freund oder einer Freundin!
    • Teilt vor eurer Anreise einem Außenstehenden Name und Adresse des Gastgebers mit.
    • Informiert euch für eine Alternative im Vorhinein über Hotels und Hostels in der Umgebung der Übernachtungsstätte.

Vorsicht ist besser als Nachsicht. Ihr solltet bei aller Gutmütigkeit und allem Vertrauen die schlimmsten Szenarien durchspielen und darauf vorbereitet sein.

Couchsurfing Plattformen – eine Übersicht

  • Kostenlos:
    • couchsurfing.com
    • bewelcome.org
    • hospitalityclub.org
    • globalfreeloaders.com
  • Kostenpflichtig:
    • servas.de (20€ pro Erwachsenem ab 18 Jahre für das Ausstellen eines Letter of Introduction (LoI), ein Fragebogen für Teilnehmer. Servas-Mitglieder zahlen einen Fördermitgliedschaftsbeitrag von 10€ pro Jahr)
    • Wohnungstausch: intervac-homeexchange.com
    • Nur für Frauen: womenwelcomewomen.uk