Am 29.06. verwandelt sich die Weinstadt Haro in der Region La Rioja wieder in ein Schlachtfeld – nĂ€mlich dann, wenn sich gut zehntausend Winzer, Weinfreunde und FeierwĂŒtige zu einer opulenten Traubenschlacht auf die Straße begeben.

Zwar fliesst der Alkohol bei dieser Veranstaltung in Strömen, das bedeutet aber noch lange nicht, dass es hier wĂŒst, rau und hemmungslos zugeht. Ganz im Gegenteil! Es wird zwar ausgelassen gefeiert, doch Respekt und RĂŒcksichtnahme spielen eine grosse Rolle und zudem landet der viele Alkohol eher „auf“, als „in“ den Köpfen der Teilnehmer. Wie das ganze Spektakel ablĂ€uft und warum sich erwachsene Menschen mit Traubensaft begiessen, das erklĂ€re ich euch jetzt.

Die Haro Weinschlacht

Die Weinschlacht | Die Tradition | Eure Reise

Haro Weinschlacht 2016, Reben, Weinstock
Noch liegt alles ruhig und friedlich da. Noch…

In Haro bleibt kein Auge trocken

Wenn die Teilnehmer am Morgen der Haro Weinschlacht gegen 7 Uhr in Richtung der Klippen von Bilbao ziehen, deutet fĂŒr Aussenstehende noch nichts auf das ausschweifende, feucht-fröhliche Gelage hin, das allen Teilnehmern frĂŒher oder spĂ€ter bevorsteht.

Haro Weinschlacht 2016, Aufstieg
Foto: lakov Filimokov/shutterstock.com

Fröhlich plaudernd, wandert das GrĂŒppchen die Strassen entlang; lediglich die Tatsache, dass alle in weisse Shirts gehĂŒllt sind und verschiedene, mit Wein gefĂŒllte BehĂ€ltnisse unter dem Arm tragen, lĂ€sst einen dann doch stutzig werden. Mit dem BĂŒrgermeister an der Spitze, zieht die riesige Prozession voran, um wenig spĂ€ter an den Klippen Bilbios eine Messe zu Ehren des Schutzpatronen San Pedro abzuhalten. Nach der Messe ist dann aber der Zeitpunkt gekommen, auf den wohl alle sehnsĂŒchtig gewartet haben: Wasser, nein, Wein marsch! Lasset die Weinschlacht beginnen!

Unter lautem Gekreische und GelĂ€chter werden die mitgebrachten Weinkaraffen und -eimer ĂŒber den Köpfen der anderen Teilnehmer entleert und erst, wenn ein jeder von Kopf bis Fuss von Wein durchtrĂ€nkt ist, wurde die Weinschlacht richtig begangen. Jetzt versteht ihr sicherlich auch die Notwendigkeit der weissen T-Shirts! Sollten zwischen all dem Pink und Rot noch weisse Flecken zu erkennen sein, weiss jeder Teilnehmer ganz genau, dass die Weinschlacht noch kein Ende gefunden hat.

Haro Weinschlacht 2016
Foto: lakov Filimonov/shutterstock.com

Ist auch das letzte weisse T-Shirt von oben bis unten eingefĂ€rbt, zieht es die Masse wieder zurĂŒck in die Stadt und dort zur Plaza de la Paz. Bei einem gemeinsamen Essen werden nun auch die Kehlen mit den edlen Tropfen befeuchtet und der Hunger nach dem anstrengenden Marsch gestillt. StierkĂ€mpfe runden den Abend fĂŒr die jungen GĂ€ste der Weinschlacht ab, doch, keine Sorge, es handelt sich hierbei nicht um die blutrĂŒnstigen KĂ€mpfe, die ihr aus den Arenen Spaniens gewohnt seid.

Die Fehde zweier StÀdte

Wie sollte es auch anders sein, beginnt auch diese Geschichte mit einer Streitigkeit zwischen zwei benachbarten StĂ€dten. Zumindest lautet so eine der zwei Theorien, die sich um den Ursprung der Weinschlacht ranken. Miranda de Ebro ist Haros Nachbargemeinde und war der Kleinstadt vor einigen Jahrhunderten wohl nicht so wohl gesonnen, sodass es zu einem Territorialstreit kam. Was frĂŒher wohl noch blutig ausgetragen wurde, wird heute durch die Weinschlacht symbolisiert, wobei der dunkelrote Traubensaft auch gut als Synonym fĂŒr das vergossene Blut stehen könnte. Die zweite Theorie solltet ihr eher mit einem zwinkernden Auge betrachten, sie besagt nĂ€mlich, dass ein scherzhaft gemeintes Trinkgelage am Ende einer Wallfahrt der Auslöser fĂŒr die heutige Schlacht sein soll. Wann genau sich aber alles zu dieser feucht-fröhlichen Weinschlacht gewandelt hat, vermag niemand so genau sagen zu können.

Haro Weinschlacht 2016, Haro Marktplatz
Foto: lakov Filimonov/shutterstock.com

Eure Reise zur Weinschlacht

Beeilt euch! Packt euer weisses Shirt in den Koffer und macht euch auf gen Haro. Momentan sieht es ausserdem nicht danach aus, als wĂŒrde das Festival in diesem Jahr zum letzten Mal stattfinden. DafĂŒr war die Schlacht 2015 mit ĂŒber 10.000 GĂ€sten und etlichen hundert Litern Wein einfach ein zu grosser Erfolg. Markiert euch schon einmal die letzte Juniwoche 2017 rot im Kalender, damit ihr die nĂ€chste Haro Weinschlacht auf gar keinen Fall verpassen werdet.

Titelbild: lakov Filimonov/Shutterstock.com

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